Neue Gletscherlagune und schmelzender Eisgrat verschärfen die Lage
Am Sólheimajökull an der isländischen Südküste haben sich die Bedingungen in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert. Durch die fortschreitende Gletscherschmelze sind neue Gefahren entstanden, die den Zugang zur Gletscherzunge erheblich erschweren. Reiseveranstalter haben deshalb vorsorglich Gletschertouren abgesagt und arbeiten an alternativen Routen.
Zusätzlich warnt das Isländische Meteorologische Amt vor erhöhter Steinschlaggefahr entlang des Wanderwegs zum Gletscher.
Eisgrat ist instabil geworden
Östlich der Gletscherzunge hat sich eine neue Gletscherlagune gebildet. Gemeinsam mit der bereits bestehenden Lagune trennt sie den Zugang zum Gletscher durch einen schmalen Eisgrat.
Dieser Eisgrat ist durch Schmelzprozesse und abbrechende Eisberge in kurzer Zeit deutlich kleiner und instabil geworden. Wer ihn überquert, riskiert, dass Eisformationen plötzlich nachgeben oder in die eiskalten und tiefen Gletscherseen auf beiden Seiten stürzt.
Nach Angaben der Behörden verändern sich die Bedingungen derzeit nahezu täglich. Wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt, sei derzeit nicht absehbar.
Reiseveranstalter sagen Touren ab
Die örtlichen Bergführer beobachten die Veränderungen kontinuierlich. Mehrere Reiseveranstalter haben ihre Touren vorsorglich abgesagt, bis sichere Alternativen gefunden sind.
Individualreisende werden dringend aufgefordert, sich nicht eigenständig auf instabile Eisflächen zu begeben oder den Bereich der Gletscherzunge zu betreten.
Warnung vor Steinschlag auf dem Zugangsweg
Neben den Veränderungen am Gletscher selbst besteht auch auf dem Wanderweg zum Sólheimajökull eine erhöhte Gefahr durch Steinschlag. Betroffen ist insbesondere der Bereich unterhalb des Berges Jökulhaus oberhalb des Zugangswegs.
Herabfallende Felsbrocken können laut Meteorologen groß sein und Wanderer schwer verletzen. Da Steinschlag entlang nahezu des gesamten Weges auftreten kann, sollten Besucher sich möglichst nicht unnötig unter steilen Hängen aufhalten.
Besonders nach starken Regenfällen oder bei schnellen Temperaturwechseln zwischen Frost und Tau steigt das Risiko deutlich an. Reisende sollten auf Warnzeichen wie herabliegende Steine oder grollende Geräusche achten.
Klimawandel verändert Islands Gletscherlandschaften
Die Behörden weisen darauf hin, dass der Rückzug der isländischen Gletscher infolge des Klimawandels zunehmend neue Gefahren entstehen lässt. Neue Gletscherlagunen versperren bekannte Wege, instabiles Gelände und Treibsand bilden sich an den Gletscherrändern, während Berghänge an Stabilität verlieren, sobald sie nicht mehr vom Eis gestützt werden.
Da viele isländische Gletscher außergewöhnlich leicht erreichbar sind und asphaltierte Straßen teilweise bis in ihre unmittelbare Nähe führen, unterschätzen Besucher die Risiken häufig. Die Behörden appellieren deshalb an alle Reisenden, Warnhinweise zu beachten, die Natur zu respektieren und sich der sich ständig verändernden Bedingungen an den Gletschern bewusst zu sein.
Titelbild: Mirjam Lassak
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